MIscha GabowitschAls Soziologe und Zeithistoriker beschäftige ich mich zum einen mit Protest und sozialen Bewegungen in Russland, zum anderen mit sowjetischen und postsowjetischen Kriegerdenkmälern von Berlin bis Tbilisi. Zu den roten Fäden, die meine vielfältigen Forschungsgebiete verbinden, gehören die Soziologie des Wissens und der Grenzziehung, die Erforschung kommemorativer Praktiken und ein Interesse an der gesellschaftlichen Rolle materieller Gegenstände – von Protestplakaten bis hin zu Bronzesoldaten. Ich bin Autor von Putin kaputt!? Russlands neue Protestkultur (Berlin: Suhrkamp 2013), der weltweit ersten Studie zur russischen Protestbewegung seit 2011. Der von mir herausgegebene Sammelband Pamjat’ o voije 60 let spustja: Rossija, Germanija, Evropa (Moskau: NLO 2005) beschäftigt sich mit der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg 60 Jahre nach dessen Ende in Russland, Deutschland und anderswo; er entstand aus einem gemeinsamen Themenheft der Zeitschriften NZ und Osteuropa.

Darüber hinaus habe ich allein und mit anderen zahlreiche Themenhefte verschiedener Zeitschriften herausgegeben, zum Beispiel zum gewaltfreien Widerstand, zur Feldforschung in Russland, zur russischen Soziologie, zum islamischen Neubeginn in Russland oder zur Erinnerung an die russische Revolution von 1905.

Ich bin mehrsprachig aufgewachsen und publiziere auf Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Jahrelang habe ich auch als Übersetzer geistes- und sozialwissenschaftlicher Bücbher und Aufsätze in diesem Sprachenviereck gearbeitet. Von 2002 bis 2006 war ich Chefredakteur der Moskauer Zeitschrift Neprikosnovennyj zapas (NZ) und später Mitgründer und erster Chefredakteur der in Sankt Petersburg auf Russisch und Englisch erscheinenden Zeitschrift Laboratorium, eines mit dem Peer Review-System arbeitenden Forums für empirische Sozialforschung. Daneben war ich Mitglied im Beirat der von 2005 bis 2009 auf Deutsch und Englisch erschienenen Online-Zeitschrift kultura: Russland-kulturanalysen.

Derzeit bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Einstein Forum in Potsdam und arbeite mit Unterstützung der Hamburger Stiftung für Wissenschaft und Kultur (ab Juli 2013) an einer kollektiven Biographie sowjetischer Kriegerdenkmäler. Zudem bin ich Mitglied im Beirat und regelmäßiger Convenor der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte. Ich habe in Oxford und an der Ecole normale supérieure in Paris studiert, an der Pariser Hochschule für Sozialwissenschaften (EHESS) promoviert und war später Post-Doktorand und Dozent für Soziologie an der Princeton University Society of Fellows in the Liberal Arts. Als assoziiertes Mitglied gehöre ich dem Zentrum für Russland-, Kaukasus- und Osteuropaforschung der EHESS in Paris sowie der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen an.

Ich leite derzeit zwei kollektive Forschungsprojekte: zum einen die Erstellung einer detaillierten Datenbank von Protestereignissen in Russland seit November 2011 auf Grundlage von Augenzeugenberichten und Fotos und unter Einbeziehung aller dokumentierten Protestslogans, zum anderen ein internationales Projekt, das sich mit der Bedeutung sowjetischer Kriegerdenkmäler bei Gedenkfeiern zum 8. und 9. Mai in über 20 postsozialistischen Städten von Wien bis Kutaisi und von Sankt-Petersburg bis Tiraspol beschäftigt. Dieses Projekt wird unterstützt durch das Französisch-Russische Zentrum für Geistes- und Sozialwissenschaften sowie durch die Moskauer Gesellschaft Memorial.

Diese Seite befindet sich im Aufbau und wird nach und nach um Informationen zu meinen Interessen und Publikationen sowie um Ressourcen für die Erforschung Russlands und gewaltfreier Bewegungen weltweit erweitert werden. Die englische Version dieser Seite ist bereits etwas ausführlicher. Dort finden Sie unter anderem eine sortierbare Tabelle von Filmen zum Thema Gewaltfreiheit sowie eine Liste detaillierter Chronologien zur Geschichte Russlands.