Die PEPS-Datenbank

(Protestereignisse, Fotos und Slogans)

PEPS steht für Protest Events, Photos, and Slogans und bezeichnet eine neuartige Datenbank zu Protestereignissen, erstellt von Mischa Gabowitsch (Einstein Forum, Potsdam), Manarsha Isaeva (Freie Universität Berlin) und Olga Sveshnikova (Universität Bremen) mit gelegentlichen Beiträgen weiterer Assistent/innen und Korrespondent/innen.

PEPS enthält Daten zur Protestbewegung in Russland, die im Dezember 2011 als Reaktion auf Wahlfälschungen bei der Wahl zur Staatsduma, dem Unterhaus des Parlaments, begann. Wir sammeln Daten zu Protestereignissen in ganz Russland sowie zu Solidaritätsaktionen im Ausland.

PEPS setzt sich durch mehrere Merkmale von anderen Datensammlungen zu Protestereignissen ab, darunter der bekannten Datenbank PRODAT zur Bundesrepublik Deutschland:

  • Neben Medienberichten sammeln wir systematisch Daten aus erster Hand, also von Protestteilnehmern und unmittelbaren Beobachtern, vor allem in Form von Einträgen in Fotoblogs. Dies erlaubt es uns, nicht nur die typischen (und in semi-autoritären politischen Kontexten wie dem Russlands besonders problematischen) Verzerrungseffekte der Medienberichterstattung ein Stückweit zu kompensieren, sondern auch den Unterschieden zwischen einzelnen Protestteilnehmern Rechnung zu tragen und die Deutungshoheit der Organisator/innen und offizielle Wortführer/innen zu umgehen.
  • PEPS begann als Sammlung von Slogans und verzeichnet jeden einzelnen dokumentierten Protestslogan (insbesondere diejenigen in Form von Plakaten u.ä.). Dies erlaubt es uns, die Forderungen und Ausdrucksformen individueller Protestteilnehmer mit einer in der quantitativen Protestforschung präzedenzlosen Genauigkeit zu erfassen. Die Berücksichtigung von Protestslogans ermöglicht es nicht nur, die Evolution der Bewegung nachzuverfolgen, sondern auch regionale Variationen zu erfassen sowie die Verbreitung bestimmter Themen oder Ausdrucksformen zu studieren.
  • Alle verwendeten Foto- und sonstigen Quellen (z.B. Blogeinträge oder Medienberichte) werden als lokale Kopien in PEPS abgespeichert, was angesichts der Kurzlebigkeit von Internetquellen besonders wichtig ist. Dies erlaubt Nutzer/innen der Datenbank den direkten Zugang zu Quellen. Die Datenbank kann also nicht nur zur Kodierung und quantitativen Analyse von Protestereignissen genutzt werden, sondern auch als systematisiertes Quellenarchiv zu einzelnen Protestereignissen.

Derzeit befinden wir uns noch im Stadium der Datensammlung; mehr oder weniger komplette Daten liegen für den Zeitraum von Dezember 2011 bis Mai 2012 vor. Die Codierung wurde bewusst auf einen späteren Arbeitsschritt verschoben, da im Kontext Russlands gerade die am ehesten quantifizierbaren Daten meist die am wenigsten zuverlässigen sind (z.B. Teilnehmerzahlen, aber auch Angaben zum Zweck und sogar zu den Organisator/innen von Protestereignissen). Das Projekt speist sich bis jetzt vor allem aus unserem wissenschaftlichen Enthusiasmus; finanzielle Mittel werden jedoch dringend benötigt, um den Aufbau der Datenbank (die auf der FileMaker-Software basiert) abzuschließen. Die Daten sollen zukünftig allen Interessierten zugänglich gemacht werden; davor müssen jedoch einige technische und Datenschutz-Probleme gelöst werden. Vor allem geht es uns um die Sicherheit der abgebildeten Personen, obwohl alle Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen stammen.

Eine ausführlichere Beschreibung von PEPS sowie Ergebnisse und methodologische Überlegungen werden in Kürze veröffentlicht. Die bereits gesammelten Daten wurden bis jetzt in zwei Publikationen verwendet:

Mischa Gabowitsch, “Social Media, Mobilisation and Protest Slogans in Moscow and Beyond,” in: Digital Icons. Studies in Russian, Eurasian and Central European New Media 7/2012: 213-225.

Mischa Gabowitsch, Putin kaputt!? Russlands neue Protestkultur. Berlin: Suhrkamp 2013.

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